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Oktober 28, 2010

Casalgrande Ceramic Cloud di Kengo Kuma, die Einweihungsfeier.

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Am 2. Oktober 2010 waren die Scheinwerfer der internationalen architektonischen Kultur auf das kleine Industriezentrum Casalgrande in der Provinz Reggio Emilia gerichtet, wo das Keramikunternehmen “Casalgrande Padana” seinen Sitz hat.

Dank der intensiven Forschung in den Bereichen der technologischen und artistischen Innovation ist die Firma Casalgrande Padana ein international führendes Unternehmen der Keramikbranche und im Wirtschaftsbezirk der Emilia eines der Produktionssymbole mit den tiefsten Wurzeln, auch dank des allgemein bekannten sozial-kulturellen Einsatzes im Gemeindeterritorium.


Der 50. Jahrestag des Unternehmens wurde mit einem Gemeinschaftsfest gefeiert, bei dem Casalgrande Padana die Geschichte des Unternehmens mit der Gemeinschaft geteilt und die Gelegenheit genutzt hat, der Stadt das erste italienische Werk des berühmten japanischen Architekten Kengo Kuma “Casalgrande Ceramic Cloud” zu übergeben, ein wahres städtisches “Manifest”, das an einer im Radius ca. 30 m messenden Kreisverkehrsanlage an der Mündung in die Pedemontana-Straße errichtet wurde.

Unbestrittene Protagonisten waren an dem Tag Kengo Kuma, der das Werk projektiert hat, und Mario Nanni, der Kopf und Gründer der Firma Viabizzuno, die sich mit dem beleuchtungstechnischen Projekt befasst hat, und nicht zuletzt Franco Manfredini, der Vorsitzende von Casalgrande Padana und der keramischen Industriegemeinschaft ‚Confindustria Ceramica’.

Am Vormittag hat im Erdgeschoß des Museumsbereichs von Casalgrande Padana, der nach einem Projekt von Kengo Kuma gestaltet wurde und sich noch in der Realisierungsphase befindet, das Treffen mit der Presse stattgefunden.

Anfangs hat der Architekt einige seiner Werke erläutert, die sich an den traditionellen japanischen Teehäusern inspirieren und den stark experimentellen Charakter seiner Arbeit ins Licht gerückt haben, mit dem er die verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten und technologischen Fähigkeiten der Materialien untersucht. Unter den vielen erläuterten Beispielen: die kleinen temporären Hallen, die einmal durch eine aufblasbare Membranhülle (Teehaus, Frankfurt, 2007) und einmal durch den Zusammenbau von Regenschirmen (Casa Umbrella, Mailand, 2008), oder Kunststoffkanistern (Water Branch, New York, 2007), oder Steinplatten (Stone Castle, Verona, 2007) oder Aluminiumplatten (Alluminium Card, Toyama, 2009) gekennzeichnet sind. Danach führt seine Projektierungsarbeit zur Architektur auf breiterer Skala, wie das Geschäft  “Lucien Pellat – Finet” (Osaka, 2009), das Granada Performing Art Centre (Granada,2008, in der Bauphase) und zuletzt das Werk “Casalgrande Ceramic Cloud” zeigen.

Kuma beschreibt deutlich und wirksam die Prinzipien, die das emilianische Werk inspiriert haben. Durch den Zusammenbau von 1.052 Keramikplatten in reinstem Weiß in neun verschiedenen Größen, die eng mit der inneren Stahlstruktur zusammenwirken, hat der japanische Meister das konventionelle Konzept von Keramik als einfaches Verkleidungselement neu ausgearbeitet, um diesem extraordinären Material neue strukturelle und bildende Fähigkeiten im dreidimensionalen Raum zu verleihen. Das Werk ist eine Art “lebendige Architektur”, stets veränderlich, je nach der Stellung des Beobachters: aus seitlicher Ansicht offenbart es sich wie eine ganz feine und scharfe Linie und bei der vorderen Ansicht verwandelt es sich in eine 45 m lange kontinuierliche Oberfläche, eine eng mit der Umgebung interagierende lichtdurchlässige Mauerkulisse. Dem erfinderischen Konzept des Werkes liegt die Idee eines Monuments zu Grunde, das nicht nur einen “Selbstzweck” haben, sondern ein integrierender Teil der Landschaft sein sollte: Das Material ist wie ein “weißes Leinen”, das das im Laufe des Tages oder der Jahreszeiten wandelnde Licht auffängt und immer wieder verschiedene Wahrnehmungsformeln entstehen läßt.  Die Skulptur ist eine Synthese zwischen einem künstlichen und einem natürlichen Element: Wenn einerseits die vibrierende Keramikwand das Symbol des intellektuellen und konstruierten Werks darstellt, erinnert das mit Wasserspiegeln und Pflastersteinen eingerichtete Umfeld an die Emotionen eines  “Zen”-Gartens nach der typisch japanischen Auffassung, nach der Kunstgriffe und Natur nicht konfliktuelle Extreme einer stets ausgeglichenen und stimulierenden Dialektik sind.

Daraufhin hat Mario Nanni die Leitlinien eines Gedankengangs präsentiert, der seit über vierzig Jahren seine Werke inspiriert und sich in seiner persönlichen Interpretation des Lichtes als wahres Baumaterial offenbart, das eng zweckverbunden ist mit der Qualifizierung der Architektur.  Für “Casalgrande Ceramic Cloud” hat Nanni das Projekt  “La luce del vento” (das Licht des Windes) konzipiert: Durch die Anwendung der acht konsolidierten “Regeln” seiner Arbeit – darunter die Bedeutung, die er der dreidimensionalen Veranlagung des Lichtes im Raum, den Werten von Schatten und Bewegung, dem Dualismus zwischen Anwesenheit und Abwesenheit der Lichtquelle zuteilt – hat sich Nanni auf die Probe gestellt und mit Leidenschaft seinen Beitrag bei der Realisierung eines kulturell recht anspruchsvollen Werkes geleistet, das aus einem tiefen Einvernehmen zwischen einem erleuchteten Auftraggeber und einer ausgezeichneten Projektierungssensibilität entstanden ist.

Auf die Frage, ob in der Entwicklungsphase eine mögliche chromatische Veränderlichkeit des Werks in Funktion der Einflüsse durch Witterung und Umweltverschmutzung berücksichtigt wurden, hat Kuma auf den inneren symbolischen Wert von Weiß hingewiesen, das mit dem Thema der Reinheit verbunden ist und von der Klarheit der Fliesen dargestellt wird, die dank der beständigen und waschbaren Art des Materials im Gegensatz zu den Pflastersteinen – die eventuellen Veränderungen eher ausgesetzt sind – keinen förmlichen Verwandlungen unterliegen.

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Am Nachmittag unter der beeindruckenden Tenso-Struktur neben dem Werk von Kuma, die eigens für das zahlreiche Publikum eingerichtet wurde, die offizielle Einweihung mit den Reden der örtlichen Behörden, des Auftraggebers und der Projektplaner stattgefunden.

Die Einweihung von  “CCCloud” war für die Gemeinschaft eine Gelegenheit, das Werk von Kuma erstmals an seinem Standort an der Pedemontana zu besichtigen, jener logistisch und strategisch sehr wichtigen Infrastruktur der Gegend, wo es von Casalgrande Padana eindringlich befürwortet wurde und sich nun in seiner Endform befindet.

Der Bürgermeister der Gemeinde Casalgrande Andrea Rossi hat diese Gelegenheit genutzt, um Herrn Franco Manfredini anzukündigen, dass ihm der Ehrensbürgertitel verliehen und die Schlüssel der Stadt überreicht werden.

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Am Abend, nach der Rede des Vorsitzenden von Casalgrande Padana, ging es an der Kreisverkehrsanlage mit CCCloud weiter mit dem magischen Moment der Einschaltung der Lichter von Mario Nanni, der musikalischen Begleitung und dem zahlreichen Publikum, das still rund um den Platz stand. Abschließend bot die Tanzgesellschaft Aterballetto zur Krönung eines reichhaltigen und leidenschaftlichen Tages vor Ort eine Choreographie mit klassischen und modernen Musiken

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Artikel: Chiara Testoni
Foto: Marco Introini Photography