Solidarische Architektur: Casalgrande Padana und TAMassociati

14. Januar 2017

Solidarische Architektur: Casalgrande Padana und TAMassociati

Ein roter Faden verbindet die Feinsteinzeugplatten von Casalgrande Padana und das Architekturbüro TAMassociati mit einer Reihe von medizinischen, pädiatrischen und allgemeinen Krankenhauseinrichtungen. Wir beziehen uns auf das Krankenhauszentrum Salam in Khartum, das pädiatrische Zentrum Emergency in Bangui, das pädiatrische Zentrum Emergency Nyala South Darfur und das chirurgische und pädiatrische Zentrum in Goderich, Sierra Leone.

Bei so komplex zu entwickelnden und zu betreuenden Projekten wurde besonderes Augenmerk auf die Auswahl der Bautechnologien, Komponenten und Materialien gelegt: alle Bodenbeläge und Verkleidungen im Innenbereich wurden mit den Feinsteinzeugplatten von Casalgrande Padana aus der Kollektion Technic, Farbgebung Nebraska, im Format 30x30 cm mit rutschfester Oberfläche Secura in den Fluren und Räumen und mit glatter Oberfläche in den Operationssälen verlegt. Eine Linie von Keramikplatten, die für den starken Gebrauch in öffentlichen Gebäuden und im Dienstleistungsbereich bestimmt sind, ein hochentwickeltes Produkt mit hoher Umweltverträglichkeit, das TAMassociati aufgrund seiner hohen technischen Leistungsfähigkeit ausgewählt hat, und das in der Lage ist, die höchsten Anforderungen an Zuverlässigkeit und Funktionalität zu erfüllen und dabei maximale Hygiene und Sicherheit sowie eine hoheWiderstandsfähigkeit gegen physikalische und chemische Belastungen wie Trittbelastung, Abnutzung, Stöße, Abrieb, Feuer und Temperaturschwankungen zu gewährleisten.

 

Kardiologisches Zentrum Salam: Die Wüstenrose

Das für die NGO Emergency von Gino Strada gebaute Krankenhausdorf entwickelt sich um zwei riesige Mangobäume, die symbolisch den Schwerpunkt hervorheben, während die geräumigen Pavillons in einem Innenhof angeordnet sind, der dem traditionellen lokalen Siedlungssystem folgt.

Das Zentrum Salam umfasst drei chirurgische Einrichtungen, 63 Betten für stationäre Behandlungen, Ärztezimmer, Diagnoselaboratorien sowie Empfangs- und Betreuungsbereiche. Es ist eine wichtige medizinische Spezialeinrichtung, die jährlich über 50.000 Patienten nicht nur aus dem Sudan, sondern auch aus den Nachbarländern versorgt und betreut. Darüber hinaus werden hier wichtige Informations- und Ausbildungsmaßnahmen für das medizinische Personal und Pflegekräfte vor Ort durchgeführt: Ein herausragendes Modell, das zur Förderung und Verwirklichung anderer gleichwertiger Zentren in Zentralafrika beitragen kann.

Wenn die Planung von Krankenhäusern inhaltlich zu den komplexesten Themen gehört, so mussten bei der architektonischen Konzeption für das Zentrum Salam Machbarkeit, Techniken und Wirtschaftlichkeit eines so abgelegenen Standortes in Betracht gezogen werden: Die schwierigen Umweltbedingungen mit Temperaturen von über 40 °C über lange Zeiträume des Jahres, die drückende Sonneneinstrahlung auf das Gebäude und der durch die starken Wüstenwinde aufgewirbelte Staub machten es notwendig, die technischen Spezifikationen für Kühlung, Beschattung, Wärmedämmung und Filtrierung zu analysieren und sich dabei auf äußerst einfache, doch zugleich wirksame Lösungen zu konzentrieren, die in einigen Fällen von der Beobachtung und dem Studium der lokalen Traditionen inspiriert sind (wie bei den passiven Maschrabiyya-Kühlungsgittern). Damit wurde dem Ziel Rechnung getragen, das Bauwerk nicht nur mit der bestmöglichen Technik, sondern auch mit den sparsamsten und ökologisch sinnvollsten Materialien auszustatten und auf ortsansässige Mitarbeiter zurückzugreifen.

Das Zentrum Salam in Khartum wurde 2013 mit dem Aga Khan Award for Architecture für seine besonderen Inhalte und die Fähigkeit, die komplexen Anforderungen des Projekts effektiv zu verbinden, ausgezeichnet.

Foto: TAMassociati

 

Bangui, Zentralafrikanische Republik: Kinderärztliches Notfallzentrum

 

Nachdem das kardiologische Zentrum Salam in Khartum im Sudan aufgebaut und in Betrieb genommen wurde, entwickelte Emergency eine Strategie, die auf den Aufbau eines Netzwerks von Satellitenkliniken in neun benachbarten Ländern abzielt. Der funktionsorientierte Standard, auf dem jedes Projekt mit architektonischer Einzigartigkeit entwickelt wird, sieht eine überdachte Fläche von etwa fünfhundert Quadratmetern vor, die für pädiatrische Patienten, eine kardiologische Klinik, eine Abteilung für temporäre Krankenhausaufenthalte und eine diagnostische Abteilung vorgesehen ist.

Die erste dieser Kliniken entstand in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik: ein pädiatrisches Zentrum, das die Betreuung von Kindern bis 15 Jahren sowie Aufklärungskurse in Hygiene und Gesundheit anbietet.

Das Gebäude weist eine Hofstruktur auf und besteht aus einstöckigen Gebäuden, die um einen zentralen Innenhof herum angeordnet sind, und wie Raul Pantaleo erzählt: „Im Laufe der Jahre haben wir einen vernünftigen Kompromiss zwischen Schutz und Öffnung gefunden; in den in Darfur, Sudan oder Sierra Leone gebauten Krankenhäusern müssen die Fenster klein sein, damit sie leicht abgeschirmt werden können und im Falle einer Explosion nicht zu viel Splitter erzeugen, während die Mauern massiv sein müssen, um vor Druckwellen zu schützen, und die nach innen gerichteten Gebäude müssen bei Bedarf geschlossen werden können. Auch in Bangui haben wir diese Prinzipien umgesetzt, allerdings haben wir im Tor der Umfriedung die Poesie eines Zeichens verstanden, das trotz allem vom Leben und von der Freude erzählt, die dieses Gebäude repräsentieren soll“.

Großes Augenmerk wurde auf die Auswahl der Materialien und Lösungen gelegt, mit denen die passive Wärmekapazität des Gebäudes realisiert werden kann: Die Klinik ist aus Ziegelwänden mit hohem Isolationswert gebaut und mit einem Dachsystem mit natürlicher Belüftung aus einer Holzstruktur und Wellblech, emissionsarmem Glas und Sonnenschutzsystemen ausgestattet, um die Sonneneinstrahlung und die daraus resultierende Erwärmung der Gebäudehülle zu minimieren.

Große technologische Hingabe und operative Genügsamkeit schließen jedoch nicht die Qualität der Baugestalt und nicht einmal die Möglichkeit von Poesie aus. Um das Leiden zu lindern und die jungen Patienten zu unterhalten, wurde im Innenhof eine Reihe von herrlichen, spielerischen zoomorphen Skulpturen aufgestellt, die mit Meisterhand von lokalen Handwerkern aus einfachen Rattan-Elementen geflochten wurden.

Foto: Raul Pantaleo

 

Nyala, Süd-Darfur: Emergency Paediatric Centre [Kinderärztliches Notfallzentrum]

Nyala ist die Hauptstadt von Süd-Darfur und hat mehr als eineinhalb Millionen Einwohner, meist Kriegsflüchtlinge, die in sieben Lagern in den Randbezirken leben.

Das Pädiatriezentrum, das rund um die Uhr geöffnet ist, bietet Betreuung für Kinder bis zu 14 Jahren, Aktivitäten zur Hygiene- und Gesundheitserziehung für Familien sowie theoretische und praktische Schulungen für das nationale medizinische Personal; es ist auch Teil eines regionalen Programms für Pädiatrie und Herzchirurgie, um Patienten zu bestimmen, die im Zentrum Salam in Khartum operiert werden sollen, und die postoperative Behandlung zu übernehmen.

In einem Krisengebiet zu bauen, das gerade erst aus einem langen Konflikt hervorgegangen war, stellte für TAMassociati sowohl in ethischer als auch in technologischer Sicht eine Herausforderung dar: „Die Kinderklinik in Nyala wurde unter extremen Bedingungen entwickelt, sodass wir die Einfachheit als effektive Strategie betrachteten, ohne dabei die hohen Qualitätsstandards aus den Augen zu verlieren“. Das Ergebnis ist eine großartige Synthese im Bereich innovativer und traditioneller Technologien für Kühlung, Recycling, Nutzung lokaler Rohstoffe, Landschaftsgestaltung, Energieeinsparung, sowie im Bereich einer aus Zeichen, Farben, Materialien und natürlichen Elementen bestehenden Architektursprache.

TAMassociati erklären: „Unser Vorschlag wollte einer Idee von innovativer, nachhaltiger Modernität für Süd-Darfur eine Stimme geben, aber nicht nur für diese Einrichtung. Ein Prozess der Reduzierung, Minimierung und Optimierung, der auf die breite theoretische Kategorie des Wachstums zurückzuführen ist"; Das Resultat ist ein Projekt, das die Notwendigkeit, hohe technologische Standards zu erreichen, mit den Prinzipien der Einfachheit, Schönheit und Umweltverträglichkeit in Einklang bringen kann.

Der Komplex entwickelt sich um einen riesigen Affenbrotbaum herum und folgt dabei den Siedlungsprinzipien des arabischen Hauses, indem er die der Sonne ausgesetzten Fassaden auf ein Minimum reduziert und die in den darin eingeschlossenen Hof geworfenen Schatten begünstigt. Die niedrigen Gebäude lindern den Krankenhauseffekt und vermitteln den jungen Patienten einen Sinn von Häuslichkeit durch das Gefühl, nicht nur „Pflegeobjekte“, sondern auch „Individuen“ zu sein, denen der im Alltag oft verweigerte Respekt entgegengebracht wird.

Die Klinik ist ein sehr einfaches Gebäude in perfekter Harmonie mit den traditionellen Bausystemen: die tragenden Strukturen bestehen aus sehr dicken Backsteinen (die in den nahe gelegenen Brennöfen in Nyala hergestellt werden) mit einer dazwischen liegenden Luftkammer, um auch dank der thermischen Verzögerung im Tag-Nacht-Zyklus einen angenehmen Raumkomfort zu erreichen. Das Dach greift das traditionelle System mit abgesenkten Ziegelgewölben auf, das „Jagharsch“ („Harsch“ bedeutet auf Arabisch Bogen) genannt wird und durch ein Überdach aus Blech, das eine ventilierte Luftkammer bildet, vor der Sonneneinstrahlung geschützt ist. Zusätzlich zu diesen Vorrichtungen wurden bei der Planung für eine bessere klimatische Gestaltung der Räumlichkeiten die äußeren Öffnungen (die entsprechend abgeschirmt sind) begrenzt und auf ein System zum Schutz der Fassaden vor Sonneneinstrahlung mittels verwobenem Bambus zurückgegriffen sowie für eine angemessene Belüftung und Kühlung der Räume gesorgt. Die Kombination dieser Vorrichtungen hat es ermöglicht, den Einsatz von Kühlsystemen, vor allem für die erforderliche Kühlleistung zur Klimatisierung der Klinik, deutlich zu reduzieren, mit entsprechender Kosteneinsparung für den Bau, die künftige Wartung und den Betrieb.

F. Massimo Grimaldi

 

Goderich, Freetown, Sierra Leone: Chirurgisches und pädiatrisches Zentrum

F. Massimo Grimaldi

Um den dringenden Bedürfnissen gerecht zu werden, wurde 2002 die Krankenhausstruktur des chirurgischen und pädiatrischen Notfallzentrums in Goderich durch den Bau einer Kinderambulanz erweitert, 2003 eine Kinderstation mit 20 Betten für die Aufnahme schwerstkranker Kinder eröffnet und im Herbst 2010 mit der Erweiterung und Renovierung des gesamten Komplexes begonnen. Diese umfasst die Notfallchirurgie, die Traumatologie und die Chirurgie zur Behandlung angeborener oder erworbener Fehlbildungen.

Da das Krankenhaus in Goderich als unentbehrlich angesehen wurde, wurde es nach dem Kriegsnotstand für notwendig erachtet, zwischen 2012 und 2014 neben der Umstrukturierung der Notaufnahme auch den Bau eines neuen Operationstrakts mit drei Operationssälen und dem neuen Intensivpflegebereich zu realisieren. Die Arbeiten wurden mit hohen Qualitätsmaßstäben durchgeführt, ohne in irgendeiner Weise die für einen modernen Operationsbereich erforderlichen Gesundheitsstandards zu vernachlässigen, dafür aber eine besonders wichtige Struktur zu entwickeln.

 

TAMassociati: Ein Bekenntnis zur Ethik

Die 1996 von Massimo Lepore, Raul Pantaleo und Simone Sfriso gegründete Organisation bringt Experten und Fachleute aus den Bereichen Architektur, Stadtplanung, Landschaftsgestaltung, Beteiligung, Grafik und soziale Kommunikation zusammen. Mit Hauptsitz in Venedig und Büros in Bologna, Triest und Paris arbeitet sie hauptsächlich für öffentliche Einrichtungen, gemeinnützige Organisationen und private Auftraggeber und ist international bekannt für ihre Arbeiten und Initiativen im Bereich der sozialen Planung, der Welt der Zusammenarbeit, des tertiären Sektors, der Solidarwirtschaft, der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen (u.a. in Zusammenarbeit mit Emergency), die in den kritischsten Gebieten der südlichen Welt gefördert werden.

Zu den zahlreichen Arbeiten gehören der Hauptsitz der Banca Etica, medizinische Einrichtungen für Emergency in Afrika sowie öffentliche Einrichtungen und Parks in San Giorgio Piacentino, La Spezia, Venedig, Anzola dell'Emilia und Casalecchio di Reno.

Die Veröffentlichungen in wichtigen Architekturmagazinen, die Einladung zu zahlreichen Ausstellungen – darunter die Triennale von Mailand und die Biennale von Venedig – sowie zahlreiche internationale Auszeichnungen zeugen von der Qualität der in den letzten Jahren realisierten Arbeiten: Medaglia d’Oro all’Architettura Italiana 2012 [Goldmedaille für italienische Architektur 2012]; der prestigeträchtige Aga Khan Award for Architecture 2013 [Aga Khan-Preis für Architektur 2013]; die Medaglia d’Oro Giancarlo Ius 2013 [Giancarlo Ius-Goldmedaille 2013]; der Curry Stone Design Prize 2013 [Curry Stone Design-Preis 2013], der Zumtobel Group Award 2014 und der Architetto italiano dell’Anno 2014 [Italienischer Architekt des Jahres 2014].

Zu den bekanntesten Werken gehören: der Hauptsitz der Banca Popolare Etica in Padua; das Paediatric Centre Bangui (Zentralafrikanische Republik); das Salam Centre For Cardiac Surgery, das Container Medical Compound und der Prayer and Meditation Pavilion in Khartoum (Sudan); das Paediatric Centre Nyala in Süd-Darfur, (Sudan); das Paediatric Centre in Port Sudan (Sudan).

Die Arbeit von TAMassociati fördert in hohem Maße die Gewissheit, dass es eine andere Art zu handeln gibt: eine Handlungsweise, die in der Fähigkeit zum Ausdruck kommt, soziale Werte und wissenschaftliche Expertise in Bezug auf Nachhaltigkeit und Ökologie in Bezug auf Mensch und Umwelt zu verbinden, ohne jemals darauf zu verzichten, die Architektur zu einem Instrument mit einem qualitativen Mehrwert im täglichen Umgang mit kritischen Situationen zu machen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Flag of Germany