Daniel Libeskind, die Dekonstruktion der Formen zur Erschaffung der (grünen) Stadt von morgen

Daniel Libeskind, die Dekonstruktion der Formen zur Erschaffung der (grünen) Stadt von morgen

Seit dem Erfolg seines Projekts für das neue Jüdische Museum in Berlin im Jahr 1990 bis zur Einweihung des One World Trade Centers im Jahr 2014, dem ersten Gebäude, das von den in seinem Masterplan vorgesehenen realisiert wurde, sind lediglich 24 Jahre vergangen; es war auch der Aufstieg zur vollen Selbstverwirklichung eines Architekten, der mit vierzig Jahren bereits in sich die Vision, das Talent und die vielschichtige Neugier hatte, die zum großen Erfolg des Architekturbüros Libeskind geführt haben.

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Jewish Museum Berlin by Daniel Libeskind

Geboren 1946 mit hebräisch-polnischen Wurzeln war Daniel Libeskind ein bereits vielversprechender musikbegeisterter Junge, der 1960 ein Stipendium gewann, um seinen Traum zu verwirklichen: in New York zu leben. Dort, in Lower Manhattan, wo sein Vater arbeitete, erlebte er den Bau des ursprünglichen World Trade Centers mit.

Etwas später frequentiert er, im Sinne des reinsten amerikanischen Traums, das Fach Architektur an der Cooper Union for the Advancement of Science and Art, eine Universität, die besonders begabte Schüler mit schlechten ökonomischen Möglichkeiten unterstützt; nach dem Abschluss folgte er dem Ratschlag des Stararchitekten Peter Eisenman und setzte seine Studien an der Universität Essex in Geschichte und Theorie der Architektur fort.

Erst im Jahr 1978 treffen zwei Elemente aufeinander, die sein Leben erheblich prägen sollten: der Dekonstruktivismus und Berlin. Zum ersten Mal entwirft Daniel Liebeskind anlässlich eines Wettbewerbs für die Sanierung eines heruntergekommenen Bereichs des Potsdamer Güterbahnhofs ein Gebäude, das die klassischen Regeln der Geometrie untergräbt. Nur zehn Jahre später wird er gemeinsam mit anderen 6 prominenten Architekten voll und ganz der dekonstruktivistischen Bewegung zugeordnet, und zwar im Rahmen der Ausstellung Deconstructivist Architecture im Museum of Modern Art in New York.

Potsdamer Güterbahnhof - Daniel Libeskind
Project – Potsdamer Güterbahnhof by Daniel Libeskind

Die Linien von Libeskind haben uns mit einer „nicht architektonischen Architektur“ überrascht, die das realisiert, was in unseren gewöhnlichen Augen unmöglich erscheint. Die Flächen, Achsen, Strukturen und rationellen architektonischen Details werden abgelegt; die Evidenz und Plastizität deformierter Volumen, die neue Dialektik und das gleichzeitige Vorhandensein von Innen und Außen, von Ordnung und Chaos, die gewundenen und unzusammenhängenden Linien, die Schnitte, die Fragmente und die Asymmetrien öffnen einen Ausblick auf die Möglichkeiten, die jenseits traditioneller starrer Regeln liegen, wo sie auf jemanden warten, der sie findet und realisiert.

Seitdem folgen Projekt auf Projekt des amerikanischen Architekten: vom Folly-Pavillon in Osaka (Expo 1990) bis zum Stadtplan von Groningen und zum Alexanderplatz in Berlin, wie auch zu anderen deutsche Werken – dem Felix Nussbaum Museum in Osnabrück, der Philharmonie in Bremen und letztendlich dem Jüdische Museum in Berlin, das ihn in das Panorama der weltbekannten Architekten einreiht.

So überarbeitet das Architekturbüro Libeskind das Imperial War Museum North im englischen Trafford, indem es im Außenbereich drei Architekturfragmente verbindet – um den Krieg zu Land, zu Luft und zu See zu repräsentieren – und entwirft im Inneren die Räume auf eine geometrisch komplexe Art und Weise, um die Desorientierung, die jeder Krieg mit sich bringt, zu vermitteln. Und dann noch: im Jahr 2002 das Creative Media Centre in Hong Kong und das Militärhistorische Museum in Dresden, im Jahr 2004 das London University Post Graduate Centre in London und den Masterplan für das New World Trade Center, der wie ein Kreis das Potential der Jugend und die Realisierung des Erwachsenenalters verbindet.

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New World Trade Center – Concept Sketches by Daniel Libeskind

Natürlich endet die Kariere von Libeskind nicht mit dieser metaphorischen Rückkehr nach New York; die Aufträge für sein Architekturbüro sind zahlreich, von monumentalen Einkaufszentren, wie dem Westside in Bern, bis zu Wohnanlagen, zu denen unter anderem auch das Projekt für CityLife in Mailand zählt.

Mailand, und Italien im Allgemeinen, sind eine der Kreuzungspunkte, die ein Teil des Lebens des amerikanischen Architekten sind. Hier gründet er 1985 eine experimentelle Non-Profit-Lernwerkstatt, die Architecture Intermundium, und kehrt 2012 zurück, um ein von seinem Sohn Lev geleitetes Architekturbüro zu eröffnen, das die Spuren seiner vielfältigen Leidenschaften und der Vision der Architektur als multidisziplinäre Wissenschaft aufzeigt: nicht nur Architekten, sondern auch Fachleute, die sich mit Industriedesign von Produkten und Innenräumen beschäftigen. Es ist vielleicht auch nicht zu viel gewagt, eine Parallele zwischen der Liebe von Libeskind für die Kultur – Musik, Philosophie, Literatur, Design, sowie Projekten für Kostüme und Bühnenbilder – und dem kreativen Brodeln, das seit jeher ein Markenzeichen für Made in Italy ist, zu ziehen.

In der Gastgeberstadt der Expo 2015, innerhalb des CityLife-Projekts, stechen neben anderen Werken von Zaha Hadid und Arata Isozaki die Residenz Libeskind wie ein Archipel im Dialog mit Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und Umwelt hervor. Acht Gebäude – die ersten fünf bereits 2013 gebaut – die mit ihren weichen Kurven die Tageslichtexposition maximieren und sich wie eine Umarmung um den zentralen Innenhof legen: eine Grünfläche, die die lombardischen Höfe des neunzehnten Jahrhunderts aufgreift, Orte des Austauschs, der Begegnung, der Solidarität zwischen Nachbarn, die den gleichen Raum gemeinsam bewohnen – nicht mehr Durchgangsort, sondern Ort der Beziehung.

Und immer wird bei den Residenzen Libeskind auf Nachhaltigkeit geachtet: integrierte Hausautomation, um den Energiehaushalt zu regulieren, hochwertige Konstruktionslösungen, Sonnenkollektoren und ein anspruchsvolles Fassadensystem. In der Tat war Casalgrande Padana der Lieferant für die Keramikverkleidungen der Fassaden mit gut 50.000 m2 Feinsteinzeug, das für diesen Bau speziell entwickelt wurde, um gleichzeitig die Markendynamik Libeskind, die Nachhaltigkeit und die Sicherheit zu gewährleisten; das Ergebnis hat zwei Namen, und zwar die der beiden für diese Zwecke entwickelten Produktreihen: Produktlinie GranitokerSerie Travertino Paradiso Grigio M8 und Produktlinie Granitogres – Serie Unicolore Bianco B Levigato. Auf ersten Blick scheint es Travertin zu sein, aber in Wirklichkeit handelt es sich um verstärktes und vor allem selbstreinigendes Porzellan, um die brillante Frische zu bewahren, die ein Gebäude bei seiner Einweihung hat.

Milano CityLife by Daniel Libeskind
Milano CityLife by Daniel Libeskind

Como, Mailand, Bologna und Padua sind nur einige der Städte, die das Zeichen von Libeskind tragen – oder tragen werden. Von einigen dieser Projekte haben wir bereits berichtet: die Installation Pinnacle in Bologna, um die Tradition der Keramikherstellung in der Region Emilia-Romagna zu feiern, die Casalgrande Ceramic Crown, „ein Mikrokosmos, eine offene und veränderliche Struktur, die, wenn man sie ansieht, wie eine Krone oder ein Diamant glitzert, und wenn man darum herumgeht glitzert sie weiter und sendet aus anderen Facetten ihre Strahlen aus.“ (Daniel Libeskind) und der Vanke-Pavillon auf der Expo Mailand 2015, alles Projekte, die gemeinsam mit der Expertise von Casalgrande Padana und ihrem fantasievollen Produkt Fractile, einer Keramikplatte mit einem ausdrucksstarken Charakter aufgrund ihrer geometrischen Kombinationsfähigkeit und den erstaunlichen ökologisch nachhaltigen Eigenschaften, realisiert wurden.

Der Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit ist die Richtung, die der amerikanische Architekt scheinbar nehmen möchte, wie er in einem kürzlich gegebenen Interview sagte (La Stampa, 19.01.2016):

«[Die Technologie] ist „geistige Technologie“, freies Denken, Wurzeln fassen; der amerikanische Theoretiker David Owen schreibt in seinem Buch Green Metropolis, dass Städte wie Manhattan und Hong Kong grüner sind, als weniger dicht besiedelte Orte, da sich ein viel höherer Prozentsatz an Bewohnern zu Fuß, auf dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegt, Dienste auf effizientere Weise nutzt, in kleineren Räumlichkeiten lebt und weniger Energie für das Heizen der Wohnungen verbraucht. Die Stadt kann uns helfen, frei zu sein.»

In diesem Zusammenhang entstehen die neuen Projekte des Architekturbüros Libeskind: Stadtteile, die kleine Smart Citys sind, in denen Grünflächen, öffentliche Verkehrsmittel und Funktionalität in Wohn- und Gemeinschaftsbereichen ein komplexes System darstellen und in regem Dialog stehen. Archipelago 21 in Seoul, das Neue World Trade Center und CityLife in Mailand sind die Vorläufer eines nachhaltigen Lebensstils in unserer nahen Zukunft, die Technologie und Tradition, Notwendigkeit und Neugier, Ordnung und Chaos zu vereinen vermag. Um frei und fit zu sein, und gleichzeitig fest in unserer Natur verwurzelt. Wie ein Turm von Libeskind.

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